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Teilprojekt 13:
Szenario und Dolmetschstrategien

Die Auswahl eines geeigneten Szenarios ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts. Zu anspruchsvolle Szenarien blockieren die Arbeit wegen zu großer Komplexität, während zu "arme" Szenarien mangelnde Plausibilität für ein öffentlich gefördertes Großprojekt zeigen. Die Arbeiten bestehen aus den folgenden vier großen Blöcken:

Ad 1. Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeiten fast aller Partner des Projekts ist eine weitergehende Erforschung des Dolmetschens und Übersetzens. International sind zu diesem Problem bisher kaum zuverlässige Arbeiten gemacht worden. Vor allem ist die einfache Übertragung von Techniken des maschinellen Übersetzens auf gesprochenen Input unzulässig und führt zu einem verfehlten Design. Auch müssen verschiedene Dolmetschformen von Simulatandolmetschen über Konsekutivdolmetschen bis zum Gesprächsdolmetschen und ihre spezifischen Mischformen untersucht werden. Besonders das Gesprächsdolmetschen ist für das Projekt vermutlich von größter Bedeutung. Für die Bewertung der Ergebnisse von Verbmobil müssen aus der Dolmetschtätigkeit Bewertungs-maßstäbe für die Qualität von Übersetzungen abgeleitet werden, eine Frage, die auch unter Dolmetschern durchaus kontrovers diskutiert wird. Des weiteren ist zu untersuchen, welche Strategien Dolmetscher anwenden, um die Prozesse Hören, Verstehen und Sprechen überlappend auszuführen. Untersucht werden muß vor allem der systematische Umgang mit Memorieren, Komprimieren, Auslassen und Antizipieren.

Ad 2. Das festgelegte Szenario muß mit üblichen sozialwissenschaftlichen Methoden beschrieben und evaluiert werden, als Voraussetzung für Datenerhebung, Benutzerstudien und Akzeptanzforschung. Auch die linguistische Pragmatik ist von diesen Untersuchungen hochgradig abhängig. Anders als bei bisherigen Sprachverarbeitungsprojekten, müssen bei einem realistischen Übersetzungs-projekt vor allem die multilingualen und multikulturellen pragmatischen Konsequenzen geprüft werden. Für die Szenario-Gruppe ist es nötig, von solchen konkreten Szenarien multimediale Daten zu erstellen.

Ad 3. Als Szenario ist ein Verhandlungsdialog festgelegt worden. Aus dieser generellen Festlegung muß eine konkreten Situation mit den dazugehörigen Texten ausgewählt werden und deren Beschreibung auf allen Ebenen erfolgen. Daraus wiederum müssen als ein sehr früher Schritt Sprachdaten simuliert, aufgenommen und gelabelt werden. Während der Arbeit an Verbmobil wird sich wiederholt die Notwendigkeit ergeben, das Szenario zu modifizieren, d.h. Eigenschaften hinzuzufügen oder zu entfernen. Das macht ggf. eine Revision oder Erweiterung des Materials nötig. In jedem Falle aber müssen die neuen Szenariobedingungen genau geprüft und ihre Konsistenz mit den bisherigen Materialien und Erkenntnissen hergestellt werden.

Ad 4. Benutzererwartungen müssen erhoben werden, ggf, unter Benutzung einer Experimentalumgebung (Wizard-of-Oz-Situation). Damit muß reales Benutzerverhalten an Arbeitsergebnissen des Projekts frühzeitig getestet werden. Eine Begleitforschung mit den Methoden der Technikfolgen-Bewertung muß stattfinden. Dabei ist die Beurteilung, Akzeptanz und die Folgen des Zwischensprachen-Konstrukts besonders wichtig und für die weitere Arbeit sehr vieler Gruppen im Projekt kritisch.

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